Tschechisch verwendet sieben Fälle, und jeder von ihnen erfüllt eine spezifische grammatische Funktion. Für deutschsprachige Lernende kann dies zunächst kompliziert erscheinen, da es eine Vielzahl an Flexionen gibt. Ein Vergleich mit dem Deutschen, das nur vier Fälle verwendet (Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ), kann jedoch helfen, die tschechischen Fälle besser zu verstehen.
Die Schlüsselregel lautet also nicht nur, die Präpositionen zu lernen, sondern auch die spezifischen Beziehungen zwischen Präpositionen und Fällen.
1. Nominativ (1. Fall)
Der Nominativ ist der Subjektfall. Er zeigt, wer oder was die Handlung des Satzes ausführt. Sowohl im Deutschen als auch im Tschechischen bleibt dieser Fall relativ einfach.
- Deutsch: Der Mann liest.
- Tschechisch: Muž čte.
In beiden Sprachen gibt der Nominativ Auskunft darüber, wer (oder was) etwas tut.
2. Genitiv (2. Fall)
Der Genitiv wird in beiden Sprachen verwendet, um Besitz oder Zugehörigkeit auszudrücken, ist aber im Deutschen inzwischen eher selten. Im Tschechischen spielt der Genitiv jedoch eine weitaus größere Rolle. Der Genitiv wird nicht nur zur Angabe von Besitz, sondern auch nach bestimmten Präpositionen und in negativen Sätzen verwendet.
- Deutsch: Das Buch des Mannes.
- Tschechisch: Kniha muže. (Genitiv singular von “muž”)
Im Deutschen verschwindet der Genitiv zunehmend im Alltag und wird oft durch den Dativ ersetzt (z.B. “dem Mann sein Buch” statt “das Buch des Mannes”). Im Tschechischen ist der Genitiv weiterhin unverzichtbar, etwa bei Präpositionen wie “bez” (ohne).
3. Dativ (3. Fall)
Der Dativ markiert das indirekte Objekt, also wem etwas gegeben wird. Beide Sprachen benutzen den Dativ in ähnlicher Weise, doch im Tschechischen geht der Dativ auch mit einigen Präpositionen einher, die im Deutschen den Akkusativ verlangen.
- Deutsch: Ich gebe dem Mann das Buch.
- Tschechisch: Dávám muži knihu. (Dativ singular von “muž”)
Was deutsche Lernende beachten müssen, ist, dass im Tschechischen einige Präpositionen, die im Deutschen den Akkusativ fordern, im Tschechischen den Dativ verlangen, wie z.B. “k” (zu) und “díky” (dank).
4. Akkusativ (4. Fall)
Der Akkusativ wird in beiden Sprachen verwendet, um das direkte Objekt des Satzes zu markieren, also das, worauf sich die Handlung direkt bezieht. Auch hier gibt es viele Ähnlichkeiten.
- Deutsch: Ich sehe den Mann.
- Tschechisch: Vidím muže. (Akkusativ singular von “muž”)
Im Tschechischen ist der Akkusativ jedoch flexibler, da er auch für manche Ortsangaben genutzt wird, z.B. nach Präpositionen wie “na” (auf) oder “do” (in), während im Deutschen in solchen Fällen oft der Dativ verwendet wird.
5. Vocativ (5. Fall)
Im Tschechischen gibt es den Vokativ, der speziell für die direkte Anrede verwendet wird. Dies ist eine Besonderheit, die das Deutsche nicht kennt.
- Tschechisch: Muži! (Hey, Mann!)
- Deutsch: (Hey, Mann!)
6. Lokativ (6. Fall)
Der Lokativ existiert nur im Tschechischen und wird nach bestimmten Präpositionen verwendet, wenn man über einen Ort oder ein Thema spricht. Häufige Präpositionen sind „o“ (über) und „na“ (auf/in).
- Tschechisch: Mluvím o muži. (Ich spreche über den Mann.)
- Deutsch: Ich spreche über den Mann. (Kein separater Fall, aber Präposition „über“ fordert Akkusativ.)
Während das Deutsche den Akkusativ oder Dativ mit Präpositionen verwendet, erfordert das Tschechische oft den Lokativ. Dies ist eine wichtige Unterscheidung, die für deutsche Lernende neu ist.
7. Instrumental (7. Fall)
Der Instrumental wird im Tschechischen verwendet, um das Mittel oder Werkzeug zu beschreiben, mit dem etwas gemacht wird, sowie nach bestimmten Präpositionen wie „s“ (mit).
- Tschechisch: Jdu s mužem. (Ich gehe mit dem Mann.)
- Deutsch: Ich gehe mit dem Mann. (Im Deutschen wird der Dativ verwendet.)
